Impfschutz beginnt im Kindesalter

Ob Kind, Jugendliche oder Erwachsene: Impfungen begleiten uns ein Leben lang. Die Europäische Impfwoche vom 19. bis 25. April steht deshalb unter dem Motto „Impfungen wirken in jeder Generation“. RADIO-LOG nimmt dies zum Anlass, über den aktuellen Stand der Schutzimpfungen bei Kindern und Jugendlichen zu informieren und bestehende Impflücken in den Blick zu rücken. „Ein vollständiger Impfschutz ist ein zentraler Baustein der Gesundheitsvorsorge – gerade im Kindes- und Jugendalter“, sagt Dr. Manuela Bauer, ärztliche Leiterin des RADIO-LOG MVZ für Kinder- und Jugendmedizin in Passau. Besonders bei älteren Kindern und Jugendlichen zeigten sich weiterhin Lücken: „Die größten Impflücken sehen wir bei älteren Kindern und Jugendlichen, vor allem bei der Impfung gegen die Humane Papillomviren – kurz HPV“, ergänzt Dr. Christian Stöhr vom RADIO-LOG MVZ für Kinder- und Jugendmedizin in Passau. Das kann langfristige Folgen für den individuellen Schutz haben.

Impfungen als wirksamer Schutz in jedem Alter
Die von der Ständigen Impfkommission (STIKO) empfohlenen Schutzimpfungen bieten einen wirksamen Schutz vor schweren und teils lebensbedrohlichen Erkrankungen und gelten als gut verträglich. Nebenwirkungen sind in der Regel mild und vorübergehend. „Impfungen sind ein gezieltes Training für das Immunsystem“, sagt Christian Stöhr und ergänzt: „Sie bereiten den Körper darauf vor, Infektionen effektiv abzuwehren.“

Frühe Entscheidung mit langfristigem Nutzen
Besondere Bedeutung kommt der HPV-Impfung zu. Die STIKO empfiehlt sie für Jungen und Mädchen von 9 bis 14 Jahren; Nachholimpfungen sind bis zum 18. Geburtstag vorgesehen. Sie schützt unter anderem vor Gebärmutterhalskrebs bei Mädchen sowie vor HPV-bedingten Krebserkrankungen und Genitalwarzen auch bei Jungen. Zudem trägt die Impfung von Jungen dazu bei, die Verbreitung der Viren zu verringern und so auch das Krebsrisiko bei Mädchen zu senken – ähnlich wie bei der Rötelnimpfung, die insbesondere das ungeborene Leben in der Schwangerschaft schützt. „Gerade weil HPV nicht nur Frauen betrifft, ist es wichtig, beide Geschlechter frühzeitig zu impfen“, betont Manuela Bauer. Entscheidend sei der richtige Zeitpunkt: „Am besten wirkt die Impfung vor dem ersten sexuellen Kontakt, da die Immunantwort in jüngerem Alter besonders stark ist.“ In der Praxis zeige sich, dass gerade diese Impfung häufig nicht oder zu spät erfolgt. Gründe sind unter anderem Unsicherheiten bei den Eltern oder eine geringe Priorisierung im Alltag. „Aufklärung ist hier entscheidend“, sagt die Kinder- und Jugendärztin und ergänzt: „Im persönlichen Gespräch lassen sich offene Fragen in der Regel gut klären.“

Anpassungen bei STIKO-Empfehlungen für Meningokokken
Auch bei den offiziellen Empfehlungen der STIKO gibt es punktuelle Anpassungen. So wurden die Hinweise zu Meningokokken-Impfungen überarbeitet: Für Kinder zwischen 12 und 14 Jahren wird heute eine Impfung gegen die Serogruppen A, C, W und Y (MenACWY) empfohlen und von den Krankenkassen übernommen, während die frühere Standardimpfung gegen Meningokokken C im Kleinkindalter entfällt. Dafür empfiehlt die STIKO seit 2024 die Impfung gegen Meningokokken der Gruppe B für Säuglinge, seitdem werden auch die Kosten von allen Krankenkassen übernommen. Kinder, die davor geboren wurden und bisher keine Impfung gegen diese Meningokokken erhalten haben, sollten diese bestenfalls bis zum Alter von fünf Jahren nachholen. „Meningokokken sind tückisch, da sie sich als harmlose Grippe tarnen, aber in kurzer Zeit zu einer lebensbedrohlichen Hirnhautentzündung oder Blutvergiftung führen können“, erklärt Christian Stöhr und ergänzt: „Impfungen schützen Kinder zuverlässig vor schweren Erkrankungen und möglichen Folgeschäden. Die bekannten Nebenwirkungen sind in der Regel mild und vorübergehend. Dem steht ein klarer, langfristiger Nutzen gegenüber – für jedes einzelne Kind und für die Gemeinschaft.“