Wenn der Kopf juckt ...

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Kopfläuse starten in die Saison – Kontrolle und Meldevorschriften sind sinnvoll

Kinderarzt Dr. Stefan Weickardt warnt vor Vorurteilen

STRAUBING. Die Schule hat wieder begonnen, auch die Kindertagesstätten sind wieder im Vollbetrieb. Über munteres Treiben in den Gemeinschaftseinrichtungen freuen sich allerdings auch kleine Krabbeltierchen. „Kopfläuse sind eigentlich das ganze Jahr über ein Thema. Im Herbst aber, wenn alle wieder die Köpfe zusammenstecken, verbreiten sie sich in Windeseile“, weiß Dr. Stefan Weickardt, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin bei RADIO-LOG am Straubinger Theresientor.

Von Kopf zu Kopf

Eine geschlechtsreife weibliche Kopflaus legt jeden Tag bis zu zehn Eier. Diese klebt sie in der Nähe der Kopfhaut seitlich an die Haare an, erkennbar als weiße Nissen. Die Larven schlüpfen nach etwa acht Tagen und sind nach weiteren zehn bis zwölf Tagen geschlechtsreif. So kann etwa alle drei Wochen eine neue Läuse-Generation entstehen. Die kleinen Krabbeltierchen suchen sich ganz schnell einen neuen Wirt – auf dem Weg von Kopf zu Kopf. „Den Umweg über aufgehängte Mützen und Jacken nehmen sie eher selten “, sagt Dr. Stefan Weickardt und fügt an: „Denn die Kopflaus liebt es warm und gemütlich.“ Deshalb legen sie die Eier besonders häufig im Bereich der Ohren, Schläfen und im Nacken ab. Der Kinderarzt entdeckt diese mit geübtem Blick, wenn jemand mit juckendem Schopf zu ihm in die Praxis kommt. „Alles keine Katastrophe, aber konsequentes Handeln ist angesagt“, sagt er. Nach der Diagnose verschreibt er ein Präparat, das gründlich bis an den Ansatz in die befallenen Haare einmassiert werden muss und erklärt den Eltern das weitere Vorgehen: „Die Wiederholung der Behandlung nach acht bis zehn Tagen ist extrem wichtig. Nur so kann die neu geschlüpfte Generation an Larven vor der Geschlechtsreife abgetötet werden.“ Ergänzend sollten Eltern noch mindestens eine weitere Woche mit einem speziellen engmaschigen Nissenkamm Strähne für Strähne des Haarschopfes durchgehen. Diese Sicherheitsmaßnahme ist grundsätzlich bei allen Familienmitgliedern des Haushaltes sinnvoll, auch bei Erwachsenen.

Dr. Stefan Weickardt, Kinderarzt in der RADIO-LOG Praxis für Kinder- und Jugendmedizin Straubing

Offenheit schützt

Zudem warnt Dr. Stefan Weickardt vor falscher Scheu und rät zu einem offenen Umgang mit dem Thema, denn Kopfläuse sind weder ein Makel noch die Folge mangelnder Hygiene. Er zählt auf, was zu tun ist:

  • Verpflichtend ist eine Meldung in Schule und Kindergarten unmittelbar nach Entdecken des Befalls, so ist es im Infektionsschutzgesetz verankert.
  • Eltern befreundeter Kinder vorwarnen: Diese können dann auch gleich reagieren.
  • Die Kinder sollten unbedingt zu Hause bleiben, erst nach der gründlichen Behandlung mit einem geeigneten Präparat nach Packungsanweisung sollten sie wieder in Schule oder Kita zurückkehren. Das ist in der Regel aber bereits nach der ersten Anwendung möglich.
  • Bürsten und Kämme müssen gründlich ausgewaschen werden.
  • Sinnvoll ist es zudem Bettwäsche, Plüschtiere und Mützen bei 60 Grad in der Waschmaschine zu waschen.

Kopfläuse BroschüreIst alles überstanden, verlangen Gemeinschaftseinrichtungen meist einen Nachweis über die erfolgte Behandlung. Die stellt Stefan Weickardt gerne aus. Eine Krankmeldung für die Eltern ist in der Regel nicht notwendig, da Kinder nach der erfolgten Erstbehandlung wieder zur Schule und in Kindergarten gehen dürfen. Die Folgebehandlung nach acht bis zehn Tagen sollte dann aber nicht nur dick in den Kalender eingetragen, sondern auch mit der gleichen Gründlichkeit durchgeführt werden wie die erste: „Schließlich haben alle etwas davon, wenn sich Kopfläuse nicht weiter ausbreiten“, hält der Kinderarzt fest. Denn effektiv dagegen schützen könne man sich leider nicht.

Weitere Informationen zum Thema können Sie der Informationsbroschüre von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZGA) entnehmen