Allgemeine Reaktionen
1/2 bis 2 Stunden nach der Bestrahlung kann es bei empfindlichen Personen zu Abgeschlagenheit, Müdigkeit und Übelkeit kommen. Hautreizungen lassen sich trotz moderner Bestrahlungstechniken nicht immer vermeiden. Sie sind jedoch auf die Region begrenzt, wo die Strahlen in den Körper eintreten oder ihn wieder verlassen. Hier kann sich die Haut röten und bräunen wie bei einem Sonnenbrand, vorwiegend gegen Ende der Bestrahlungsserie. In seltenen Fällen kann es auch zu einer nässenden Reaktion bzw. einem Wundsein kommen, welches aber 2-4 Wochen nach Ende der Strahlentherapie ohne weitere Behandlung wieder abheilt. Durch besondere Hautpflege können diese Reaktionen gering gehalten oder ganz vermieden werden (siehe vorsorgliche Verhaltensregeln).
Als Spätfolge kann es in seltenen Fällen zu einer Vernarbung und damit zu einer Verhärtung des Unterhautgewebes kommen. Dies kann zu Wundheilungsstörungen bei späteren Operationen und Verletzungen im Bestrahlungsgebiet führen. Bei Bestrahlung größerer Skelettanteile kann es, insbesondere in Kombination mit einer Chemotherapie, zur Beeinträchtigung der Knochenmarkfunktion und daraus folgenden Blutbildveränderungen kommen. Es wird daher während der Bestrahlungsserie regelmäßig das Blutbild kontrolliert. Bei stärkeren Veränderungen muss eine Bestrahlungspause eingelegt werden.
Mögliche Nebenwirkungen
Neben den allgemeinen Reaktionen können bei Bestrahlungen in bestimmten Gebieten folgende Nebenwirkungen auftreten.
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Bei Bestrahlung des Kopfes kommt es meist zu einem Haarausfall im Bestrahlungsfeld. Die Haare wachsen im allgemeinen nach Beendigung der Bestrahlung wieder nach. Liegen Gehörgang und Ohrmuschel im Bestrahlungsfeld, kann es zu oberflächlichen, unter Umständen leicht nässenden Hautreaktionen kommen. Wenn die Augenlinse mitbestrahlt werden muss, kann es zu einer Linsentrübung (grauer Star) kommen. Wenn die Sehkraft dadurch beeinträchtigt würde, könnte durch eine Star-Operation Abhilfe geschaffen werden. Die gesunden Zellen des Gehirns sind im Allgemeinen relativ wenig strahlensensibel. Eine Beeinträchtigung der umliegenden Gehirnzellen ist jedoch mit letzter Sicherheit nicht auszuschließen. Dies kann zu Konzentrationsstörungen und Beeinträchtigung der Merkfähigkeit führen, wobei diese Symptome oftmals durch die Tumorerkrankung selbst bedingt sind.
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Bei Bestrahlungen im Bereich des Mundes, Kiefers oder Halses ist es manchmal unumgänglich, die Speicheldrüse, Geschmacksknospen und den Kehlkopf mitzubestrahlen. Es kommt dann zu Geschmacksveränderungen oder sogar Geschmacksverlust, zu einer mehr oder minder ausgeprägten Heiserkeit sowie infolge eines Rückgangs der Speichelsekretion zu Mundtrockenheit. Schleimhautreaktionen der Mundhöhle mit Wundsein verursachen Schmerzen beim Schlucken. Die meisten Reaktionen bilden sich nach Ende der Bestrahlungen langsam wieder zurück. Mundtrockenheit und Geschmacksveränderungen können ganz oder teilweise zurückbleiben. Mitbestrahlte Zähne können brüchig werden. Eine vorsorgliche Zahnsanierung ist empfehlenswert. Als Spätfolge kann eine Verhärtung von Unterhaut- und Muskelgewebe insbesondere bei vorausgegangenen Operationen zu einer Bewegungseinschränkung des Halses oder des Kiefergelenkes führen. Extrem selten und nur bei sehr hoher Dosis auftretend ist das Absterben von Knochengewebe (Nekrose) im Bestrahlungsgebiet. Die Hormonproduktion der Schilddrüse kann beeinträchtigt werden, was aber in den seltensten Fällen Beschwerden macht.
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Bei Bestrahlungen der Lunge können entzündliche Veränderungen auftreten, die in eine Bindegewebsvermehrung (Narbenbildung) übergehen. Hustenreiz und eine Einschränkung der Lungenfunktion, die sich vor allen Dingen bei körperlicher Anstrengung bemerkbar macht, sind die Folge. Beschwerden beim Schlucken können infolge einer Reizung der Speiseröhrenschleimhaut vorübergehend auftreten. In seltenen Fällen können Herzrhythmusstörungen auftreten. Bitte dies umgehend dem Arzt melden!
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Bei Bestrahlungen der Lymphknoten hinter dem Brustbein werden die Speiseröhre und die Atemwege (Bronchien) teilweise mitbestrahlt. Eine Bronchitis (Husten) kann dann besonders hartnäckig und langwierig sein. Bei einer Reizung der Speiseröhrenschleimhaut kommt es zu Kratzen, Brennen und Kloßgefühl im Hals. In seltenen Fällen können Herzrhythmusstörungen auftreten. Bitte dies umgehend dem Arzt melden!
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Bei Bestrahlungen der Achselhöhle kommt es oft zu stärkeren Hautreaktionen mit Wundsein, da hier die Haut besonders empfindlich ist und man leicht schwitzt. Man wird nur dort wund, wo die Haut aufeinander liegt und der Schweiß die Haut zusätzlich angreift. Neben häufigem Pudern hilft hier ein Leinenoder Mulltuch (z.B. Babywindel), das den Schweiß aufnimmt und Luft an die Haut lässt. Das ohnehin durch die operative Ausräumung der Achselhöhle bedingte Risiko zur Entwicklung eines Lymphstaus im Arm wird durch die Bestrahlung geringfügig erhöht.
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Bei Bestrahlung der Brust nach brusterhaltender Operation kommt es zu einer Entzündung der Brustdrüse. Die Brust wird fest und druckempfindlich. Diese Reaktion kann einige Wochen bis Monate oder manchmal 1-2 Jahre anhalten. In seltenen Fällen kommt es zu einer narbigen Schrumpfung, die evtl. sogar die operative Entfernung der Brust notwendig machen kann. Extrem selten und meist erst bei wiederholter Bestrahlung der gleichen Region kommt es zu einem begrenzten Absterben des Knochengewebes (Nekrose) im Bereich der Rippen. Aufgrund der Wölbung des Brustkorbes muss bei der üblichen Brustbestrahlung ein schmaler Lungensaum mitbestrahlt werden. Dieser kann später vernarben, was aber für die Lungenfunktion des Patienten meist ohne Bedeutung bleibt.
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Bei Bestrahlungen des Bauches kann es zu Reizungen der Darmschleimhaut mit Durchfällen, Blähungen und Leibschmerzen kommen. Übelkeit und Brechreiz treten öfter auf. Manchmal ist deshalb eine Bestrahlungspause notwendig. Verdauungsstörungen mit Blähungen, Völlegefühl und Neigung zu Durchfällen können längere Zeit auch nach Beendigung der Bestrahlung andauern. Als Spätfolgen können, wie nach jeder Bauchoperation auch, Verklebungen und Verengungen von Darmschlingen entstehen, die schlimmstenfalls operativ behoben werden müssen. Extrem selten sind Fistelbildungen, d.h. die Entstehung von Verbindungen des Enddarm zur Scheide oder zur Harnblase. Außerdem kann die Harnblase gereizt werden. Vorübergehendes Brennen und häufiges Wasserlassen sind dann die Folge. In ganz seltenen Fällen können die Harnleiter vernarben, was zum Aufstau des Urins in den Nieren führen kann. Dann müsste operativ eine Harnableitung geschaffen werden. Bei bestimmten Bestrahlungen liegen die Nieren teilweise oder ganz im Bestrahlungsfeld, so dass nach Überschreiten einer gewissen Toleranzdosis als Spätfolge Nierenschrumpfungen mit Funktionsverlust auftreten können. In aller Regel werden die Nieren aus dem Bestrahlungsfeld herausgenommen bzw. ausgeblockt.
Manchmal müssen die Keimdrüsen (Eierstöcke bzw. Hoden) ganz oder teilweise mitbestrahlt werden. Da sie besonders strahlenempfindlich sind, muss dann mit einem Ausfall dieser Organe gerechnet werden. Es muss dann mit Unfruchtbarkeit, sexueller Lustlosigkeit und Wechseljahrbeschwerden gerechnet werden.
Gegebenenfalls müssen wir aufgrund der Nebenwirkungen Ihre Bestrahlung für einige Tage unterbrechen. Zur Verminderung oder Vorbeugung eventueller Nebenwirkungen werden unter Umständen spezielle Medikamente vom Arzt verordnet.